Aus der Katgorie: Hochglanzjournals

Überprüfung statistischer Methoden: So übersteht Ihr Paper den neuen Reviewprozess

statistic reviewScience hat kürzlich eine weitere Reviewrunde zum Prozess hinzugefügt, bei welchem entschieden wird, welche 7% der wöchentlich 250 eingereichten Papers publiziert werden. Das Journal hat dazu einen statistischen Beirat als neues Gremium ins Leben gerufen. Dieser wird mit weiteren externen Statistikexperten zusammenarbeiten. Neu sieht der Prozess so aus, dass Redakteure wie bis anhin die vielversprechendsten Manuskripte ins übliche Review schicken. Jene Artikel, die diese beiden Hürden überstehen, werden dann an den statistischen Beirat weitergereicht, welcher entscheidet, ob eine genaue Untersuchung der Daten und der angewendeten statistischen Methoden nötig ist. Erscheint ihnen dies sinnvoll, wird das Paper wiederum zur weiteren Prüfung an einen oder mehrere Statistikexperten des Fachgebiets weitergeleitet. Die Analyse der statistischen Methoden kann wie in der ersten, eher auf den Inhalt fokussierten Reviewrunde zur Ablehnung des Artikels führen, oder dazu, dass vom Autoren Änderungen verlangt werden.

Mangelnde Fähigkeiten im Bereich Statistik

Science riskiert mit diesem Vorgehen den ohnehin schon schwerfälligen Publikationsprozess zusätzlich zu verlängern, reagiert aber auf ein schwerwiegenderes Problem: Die zunehmende Anzahl an Artikeln, die nach ihrer Veröffentlichung zurückgezogen werden müssen. Teilweise sind Fälschungen und Betrug an dieser Entwicklung schuld, oft aber auch simple Fehler in der Datenverarbeitung oder in der Anwendung der Statistik. Dies mag daher rühren, dass der Druck auf Wissenschaftler zugenommen hat, mehr Artikel in weniger Zeit zu veröffentlichen. Ein weiterer Faktor ist jedoch, dass sich statistische Methoden und Programme stetig entwickeln und komplexer werden. Nicht jeder Forschende kann genügend Zeit darauf verwenden, sich fundiert einzuarbeiten und auf dem Laufenden zu halten.

Die strikte Kultur der Medizin übernehmen

Die Topmagazine im Bereich der Medizin und der Biochemie legen traditionell großen Wert auf eine genaue Datenprüfung. Science ist nicht das erste Journal, das versucht, diese Kultur auf andere Fachbereiche zu erweitern. Verschiedentlich greifen Journals zu genaueren Prüfungen, sei es durch Statistikexperten oder durch den Einsatz von formalisierten Checklisten, anhand derer Redakteure oder Reviewer sicherstellen sollen, dass nötige statistische Informationen vollständig publiziert und korrekt sind.

Die Killerkriterien

Um sicherzugehen, dass Ihr nächstes Manuskript nicht in einer solchen Prüfung hängen bleibt, sollten Sie darauf achten, dass der Methodenteil Ihres Papers genügend Informationen enthält. Alle statistischen Tests und Methoden (mit der Ausnahme der absolut geläufigen, etwa des t-Tests) sollten nicht nur benannt, sondern auch beschrieben werden. Nutzen Sie diese Aufgabe, um kritisch zu überprüfen, ob Sie Ihren Ansatz wirklich bewusst gewählt haben, im Detail verstehen, und entsprechend rechtfertigen können! Wichtig ist selbstverständlich auch, dass simple Angaben wie etwa die Stichprobengröße nicht schlicht vergessen werden.

Informieren Sie sich, ob das Journal, in welchem Sie publizieren möchten, eine veröffentlichte Checkliste oder konkrete Richtlinien verwendet (oft sind diese Bestandteil einer allgemeinen Checkliste, die der Autor vor der Einreichung des Artikels durchgehen soll)! Ist dies nicht der Fall, so kann man für die Überprüfung des eigenen Textes die Kriterien eines anderen Journals der Fachrichtung verwenden. Nature und das British Medical Journal (BMJ) etwa stellen entsprechende Informationen zur Verfügung.

Die zusätzlichen Prüfungen und das lange Hin und Her wegen einfachen Nachlässigkeiten mag Autoren bisweilen als Schikane vorkommen. Wenn solche Checks aber helfen zu verhindern, dass Papers abgelehnt werden, oder schlimmer noch: zurückgezogen werden müssen, so sind sie eine begrüßenswerte Entwicklung. Wer nach mehreren erfolgreichen Publikationen denkt, Checklisten nicht nötig zu haben, der ändert vielleicht seine Meinung, wenn er sich vor Augen führt, dass auch Chirurgen und Astronauten trotz erstklassiger Ausbildung mit dieser Methode gegen vermeidbare Fehler vorgehen!

Megajournals: Retter der Wissenschaft, Zerstörer der Karriere, oder beides?

MegajournalsEinige akademische Journals tragen auf verschiedenen Kanälen dazu bei, den wissenschaftlichen Fortschritt zu verlangsamen oder zumindest nur selektiv voranzutreiben. Megajournals sollen der große Wurf sein, durch den mehrere Probleme gleichzeitig angegangen werden. Letztlich setzen diese Titel dazu an, den wissenschaftlichen Publikationsbetrieb zu demokratisieren. Alles, was Wissenschaft ist, so die Logik, ist für jemanden nützlich. Folglich sollen alle Papers, die gewissen Qualitätsansprüchen genügen, auch veröffentlicht werden können und zwar schnell und ohne Beschränkung des Zugangs. Megajournals sind Onlinepublikationen, die Papers aus einem breiten Spektrum von Fachbereichen publizieren und bei denen die Redaktion weniger eisern eingreift als bei den klassischen Journals.

So präsentiert klingt das positiv. Die Beschreibung passt aber im Großen und Ganzen auch auf die Raubtierjournals, die darauf aus sind, Publikationsgebühren abzusahnen, ohne dafür eine faire Gegenleistung zu erbringen.

Retter in der Not oder Raubtier?

Zwischen Megajournals und Gebühren-Geiern, deren Inhalte bestenfalls Unterhaltungswert haben, liegen Welten. Den Unterschied zwischen der hohen Qualität der einen und den tiefen Ansprüchen der anderen machen natürlich die Qualitätskontrollen aus, also das Peer Review. Wie seriös dieses durchgeführt wird hängt jedoch nicht von der Publikationsform ab. Plos One und PeerJ, respektierte Titel aus der Kategorie Megajournal, deren Material beachtet und zitiert wird, belegen dies.

Große Würfe gehen meist nicht ohne Bruchlinien einher und so befinden sich die guten Megajournals gegenwärtig in einer Art Zwischenwelt. Trotz der Qualität Ihrer Artikel, der häufigen Zitate, des guten Preis/Leistungsverhältnisses und der raschen Publikation haftet ihnen ein Stigma an von „da kann ja jeder was veröffentlichen“. Somit sehen sich Autoren einem Dilemma ausgesetzt: Wandel wollen viele sehen, freiwillig auf das Prestige der „Klassiker“ verzichten jedoch nur wenige.

Distanz zum Raubtier wahren

Was ist also zu tun, wenn man selber überzeugt ist, dass eine Publikation in einem Megajournal etwas positives ist, gleichzeitig aber vermutet, dass diese Überzeugung nicht geteilt wird von jenen, die Forschungsgelder vergeben und über Beförderungen entscheiden? Abwarten, bis sich die neuen Titel etabliert haben ist die konservativere Methode. Da zur Zeit auch Nobelpreisträger ihre Glaubwürdigkeit nutzen, um das neue Konzept zu pushen, indem sie sich beispielsweise als Redaktoren engagieren, bleibt zu hoffen, dass sich das Problem in absehbarer Zeit selbst löst. Andererseits: Würde es Sie nicht reizen, im nächsten Journal vom Kaliber von Nature publiziert zu haben, bevor es cool war? Eine etwas proaktiver Variante wäre also zu versuchen, die Komitees auf seine Seite zu ziehen. Downloadzahlen, Anzahl Zitate und ähnliche Kennzahlen lassen sich im CV zusammen mit der Publikation auflisten: Durch den kostenlosen Zugang fallen sie bei Artikeln aus Megajournals meist positiv aus, vorausgesetzt es handelt sich um eine qualitativ hochstehende Plattform und einen guten Artikel.

Der Aufbruch in eine neue Welt erfordert bisweilen etwas Mut. Wer sich weiterhin Scheuklappen aufzieht und nur auf den Impact Factor und die Journalhackordnung schaut, der riskiert Teil des Problems zu sein, statt Teil der Lösung. Selbst wenn Sie den Schritt noch nicht wagen wollen, in einem Megajournal oder anderweitigen Open Access Titel zu publizieren, so sollten Sie dennoch ein wachsames Auge auf die Verschiebungen in der erwähnten Hackordnung halten!

Konzentriert, aber diesmal anders: Neuerliche Übernahmewelle bei akademischen Verlagen

scholarly-journals-a-big-businessUmbrüche sind für Verlage von akademischen Journals und Büchern nichts Neues. Die 70er Jahre waren für diesen Markt bereits eine prägende Zeit. Bis dahin wurden akademische Magazine hauptsächlich von Instituten und Gesellschaften herausgegeben, die nicht profitorientiert arbeiteten, während kommerzielle Verlage eher ein Nischendasein fristeten. Nun aber nahmen Ausgaben für die Forschung global stark zu. Mehr Akademiker produzierten mehr Artikel. Durch die erhöhte Konkurrenz begann sich die „Journalhierarchie des Prestiges“ zu festigen, die wir heute noch kennen. Der Wert jener Titel, die obenauf schwammen, stieg. Kommerzielle Verlage witterten ein Geschäft, weiteten ihre Aktivitäten aus und wurden zum wichtigen Faktor.

Steigende Budgets

Ab den späten 80er Jahren kam es zu neuen Turbulenzen. Zusätzliche Journals strömten weiterhin von überall her auf den Markt. Während der Pool an wissenschaftlichen Arbeiten wuchs und die Seiten gefüllt werden konnten, vergrößerte sich die Leserschaft nicht im selben Tempo. Neue Konkurrenten hatten zur Folge, dass etablierte Titel Leser verloren. Um trotzdem Profite einzufahren, wurde Effizienz für jene Titel immer wichtiger, die Aktionäre zufriedenzustellen hatten. Einige wenige Verlagshäuser kauften jene auf, die dem Druck nicht standhalten konnten und wuchsen durch diese Strategie zu wahren Giganten heran: Reed Elsevier verdoppelte seinen Marktanteil in den 90ern und überragt heute noch bei weitem die anderen Größen der Zunft, Wiley-Blackwell und Springer. Das Trio gibt zusammen zwei Fünftel aller Journalartikel heraus. Parallel zu dieser Aktivität führten die traditionellen Herausgeber von Journals ihre Arbeit jedoch unbeirrt fort, denn ihre Mission die Wissenschaft voranzutreiben und den „eigenen“ Autoren eine Plattform zu bieten, ohne dabei finanziellen Gewinn anzustreben, hatte sich ja nicht verändert.

Schrumpfende Budgets und das e-Book

Nun beobachten wir eine weitere Übernahmewelle in der akademischen Verlagswelt, diese findet allerdings in einem komplett anderen Umfeld statt. Preise von Topjournals haben sich in luftige (oder lächerliche?) Höhen verabschiedet. Für Titel, die vor 30 Jahren mit 10-Dollar Noten bezahlt wurden, wären heute Tausenderscheine nötig. Einkäufer stellen sich solchen Rechnungen bewaffnet mit Bibliotheksbudgets, an welchen jedes Jahr aufs Neue der Rotstift angesetzt wird. Um die Elitepublikationen weiterhin kaufen zu können sind sie gezwungen, auf die Anschaffung von wissenschaftlichen Büchern und Monographien zu verzichten, immer häufiger werden auch Journals von den Regalen genommen. Gleichzeitig findet eine massive technische Umwälzung statt: Das e-Book und das Online Journal sind definitiv salonfähig geworden. Dies hat zweierlei zur Folge: Einerseits sind viele Verlage gezwungen, ihre Tore zu schließen, besonders kleinere Unternehmen, die auf physischen Druck und auf Monographien gesetzt hatten. Andererseits haben Digital Content Providers ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell vorzuweisen. Sie bieten Verlagen die technische Plattform, um ihre Inhalte digital zu präsentieren. In diese Kategorie fällt etwa HighWire Press, welches kürzlich von der Stanford University an den Private Equity Investor Accel-KKR überging. Laut Elsevier war die technische Plattform auch die Triebfeder ihrer Übernahme von Mendeley vor anderthalb Jahren. Kaum eine Transaktion der aktuellen Übernahmewelle wird wohl so heiß diskutiert werden wie die Hochzeit des Giganten, der mit schummrigen Hinterzimmermanövern Monopolrenten solange auf die Spitze getrieben hatte, bis ein Käuferboykott folgte, mit dem Start-up, das doch sehr einer Filesharingplattform für eigentlich geschützte akademische Texte glich.

Auch wenn andere Übernahmen weniger spektakulär und kontrovers sind: In der Summe bedeuten sie eine grundsätzliche Neuausrichtung der akademischen Verlagslandschaft. Die Zukunft liegt vielleicht in Open Access, und sicherlich in der digitalen Publikation.

Geheime Journalpreise ermöglichen Verlagen Abzockerei

Journal abzockeIn Expatgemeinschaften an Orten, wo nicht alle gewohnten Güter im Supermarkt zur Verfügung stehen, ist es üblich, dass sich jene, die vom Heimaturlaub zurückkehren, ihre Koffer mit den vermissten Produkten füllen. Was nicht schon an Freunde versprochen wurde, wird dann verkauft, meist über Gruppen in sozialen Netzwerken und mit dem Vermerk „Preis auf Anfrage“. Wieso laden sich die Verkäufer den zusätzlichen Aufwand auf, dutzende Mails mit Preisanfragen zu beantworten, statt die Information öffentlich zu machen? Natürlich geht es um die Steigerung der Marge, denn aus den Onlineprofilen lässt sich eine gute Schätzung von Kaufkraft und Zahlungsbereitschaft der Interessenten ableiten. Was in der Wirtschaftstheorie „Preisdiskriminierung“ genannt wird, ist ein altbewährtes Mittel, um höhere Profite zu erzielen. Nach exakt diesem Modell funktionieren auch die Preispläne von kommerziellen akademischen Verlagshäusern.

Kein fairer Preis für Journals

Drei Elemente sind in diesem Business vorhanden, die verhindern, dass es zu einer echten Konkurrenzsituation kommt und damit die Preise auf ein faires Niveau gedrückt würden: Einerseits streichen die Verlagshäuser Erträge ein, müssen aber nicht für den Forschungsaufwand aufkommen, der hinter den Artikeln steht. Dieser wird von den Instituten und Labors über Forschungsgelder bestritten. Zweitens sind Papers nicht einfach austauschbar: Bahnbrechende Erkenntnisse von gewichtigen Forschern müssen den Berufskollegen zur Verfügung stehen, damit diese darauf aufbauen können. Besonders die Artikel am oberen Ende der Prestigeskala (und damit die Journals mit Peer Review, die sie veröffentlichen) bilden eine Art Minimonopol. Als ob diese beiden Punkte noch nicht reichen würden, um einen ordentlichen Profit zu machen, haben sich die großen Verlagshäuser zusätzlich auf den dritten Punkt spezialisiert: Preisdifferenzierung.

Abzockerei durch Geheimhaltung

Wie bei der privaten Nachricht im sozialen Netzwerk ist die Diskriminierung nur möglich, weil eine Universitätsbibliothek nicht erfährt, was die andere für dasselbe Journalpackage bezahlt. Auch Universitäten rechtfertigen ihre Studiengebühren mit hohem Prestige. Eine hochklassige Forschungsuni kann es sich schlicht nicht leisten, den Studierenden und Forschenden ein wichtiges Journal aus Kostengründen nicht zur Verfügung zu stellen. Ihre Preisbereitschaft ist sehr hoch. Verlage wollen diese Bereitschaft in hohe Rechnungsbeträge ummünzen und sich dennoch die Freiheit bewahren, bei weniger exklusiven Einrichtungen die Preise niedrig genug anzusetzen, um einen weiteren Verkauf abschließen zu können. Dies macht die Geheimhaltungsklauseln nötig, welche Kunden verbieten, abgelieferte Beträge öffentlich zu machen. Solche Bestimmungen sind bei den gewichtigen Verlagen üblich. Im Gegensatz zum Fall des Nostalgieprodukts aus dem Koffer des Facebook-Kontaktes geht es hier jedoch um Millionenbeträge, die jährlich fällig werden. Neben dem Abschöpfen der Preisbereitschaft erlaubt die Geheimnistuerei den Verlagen auch, das beschränkte Verhandlungsgeschick einiger Kunden knallhart auszunutzen, was sich in der Summe in Margen niederschlägt, die durchaus 30% überschreiten.

Die Daten endlich ans Licht gebracht

Dankenswerterweise hat eine Gruppe von Autoren kürzlich eine legale Handhabe gefunden, um die Geheimhaltungsklauseln außer Kraft zu setzen. So konnten sie Daten aus 350 amerikanischen Verträgen sammeln und die bezahlten Preise pro Zitat errechnen. Die Erkenntnisse in ihrer Publikation bestätigen, was schon lange vermutet wurde:

  • Profitorientierte Verlage verlangen höhere Preise, als nicht-profitorientierte.
  • Universitäten, die viel Forschung betreiben und folglich eine hohe Zahlungsbereitschaft haben, bezahlen im Vergleich zu Einrichtungen, die eher auf die Ausbildung konzentriert sind, über doppelt so hohe Preise pro Artikel derselben Qualität.
  • Einige Bibliotheken konnten für dasselbe Journalbündel jährliche Preissteigerungen von 1% aushandeln, während sich andere mit 5% einverstanden zeigten.

Einige „marktfeindliche“ Elemente erwachsen aus der Natur der Forschung, die weder ein rein kommerzielles Gut ist, noch sein sollte. Wie der Publikationsbetrieb organisiert werden soll, um dieser Tatsache zu begegnen, ist strittig. Open Access kann einige Probleme lösen, birgt ab auch Nachteile. Die Diskussion um Geheimhaltungsklauseln ist aber nicht Bestandteil von diesem Problemkreis. Hier werden nicht Vor- und Nachteile abgewogen. Die Geheimniskrämerei dient einzig dazu, Preise in die Höhe zu treiben. Sie beschert Verlagen hohe Profite und schadet dem Zugang zu Forschungserkenntnissen. Die Gesetzgebung kann und sollte so angepasst werden, dass Kosten für Journals vom Kunden veröffentlicht werden dürfen.

Wider der Wild West Mentalität in medizinischen Journals

Wild WestAn dieser Stelle haben wir die Welt der akademischen Journals auch schon als Wilden Westen bezeichnet. Namentlich entsteht viel Dynamik, weil regelmäßig neue Titel erscheinen, was klare Vor- und Nachteile hat. Im Optimalfall können zusätzliche leere Seiten mit mehr Forschungsresultaten gefüllt werden. Neben etablierten Zeitschriften, welche die allerwichtigsten Erkenntnisse aus einem breiten Feld publik machen, gibt es ein echtes Bedürfnis nach enger spezialisierten Titeln. Wenn Forschungsresultate nur in einer begrenzten Nische relevant sind, bedeutet dies nicht, dass sie unwichtig sind. Da die Anzahl Personen, die in der Forschung tätig sind, seit Jahren steigt, sind außerdem mehr interessante Resultate auf der Suche nach einem Publikum.

Sich von den Raubtieren abgrenzen

Das Wild West Umfeld zieht aber nicht nur noble Charaktere an, die beabsichtigen den Wissensaustausch zu fördern. Viele Neuerscheinungen unter den Journals gehen auf räuberische Organisationen oder Personen zurück, welche aus Profitgier auch schlechte Artikel veröffentlichen und keinerlei Qualitätssicherung vornehmen. Eine respektable Neuerscheinung sollte zweierlei leisten: Publizierte Artikel mögen zwar nicht so spektakulär sein, wie jene in den Hochglanztiteln des Feldes, sie müssen aber unbedingt denselben Qualitätsansprüchen gerecht werden. Das neue Journal sollte daher ein angemessenes Peer Review organisieren, was vor allem bedeutet: Die Redaktion und die Reviewer, mit denen zusammengearbeitet wird, müssen die nötige Expertise und die entsprechende Erfahrung mitbringen. Die zweite Aufgabe liegt darin, die hohe Qualität zu kommunizieren. Bei der gegenwärtigen „Literaturschwemme“ sind Wissenschaftler meist nicht gewillt, ihre Zeit auf Artikel aus unbekannten Journals zu verwenden. Geht eine Neuerscheinung aber auf einen im Feld bereits etablierten Namen zurück, so kann dies ein echter Türöffner sein.

Gesundheitsorganisationen als Herausgeber

Etablierte Organisationen im Gesundheitswesen sind geeignete Kandidaten, um solche Namen zur Verfügung zu stellen und die Qualität des neuen Journals zu garantieren. Viele Betreiber von Spitälern, Kliniken und Heimpflege sind auch in der medizinischen Forschung aktiv und wollen ihre Resultate publiziert sehen. Ein eigenes Journal kann da eine sinnvolle Ergänzung zu den existierenden Titeln sein und zusätzlich dabei helfen, den eigenen Ruf zu fördern. Aurora hat jüngst entschieden, diesen Weg zu gehen und macht dabei zwei Dinge richtig: Der Fokus ihres neu lancierten Titels „Journal of Patient-Centered Research and Reviews“ ist eng genug gesetzt, um ein definiertes, eingeschränktes Publikum anzusprechen. Der Themenschwerpunkt jeder Ausgabe verstärkt diesen Effekt. Die größere Zuversicht, Forschung im definierten Gebiet veröffentlichen zu können, kann dabei helfen, bedeutende Wissenschaftler des Feldes anzulocken. Die Basis für eine Stärkung der eigenen Forschung ist gelegt! Des Weiteren werden die hauseigenen Forschenden explizit ermutigt, ihre Artikel nach Möglichkeit in profilierteren, etablierten Journals unterzubringen. Damit werden den Karriereambitionen der Mitarbeiter keine Steine in den Weg gelegt und das neue Journal positioniert sich da, wo es benötigt wird: Beim Schaffen von Öffentlichkeit für kleinere, aber wichtige Studien und Experimente. Die nicht-profitorientierte Natur von Aurora ermöglicht die übersichtlichen Auflageziele des neuen Journals, und somit, dieser Aufgabe treu zu bleiben.

Back to the roots: Verlässliche Qualität für das richtige Publikum

Die schädlichen Wucherungen der Wild West Mentalität sind insbesondere im Bereich der medizinischen Forschung besonders ausgeprägt. In einem Umfeld, das traditionell auf Prestige basiert, kann ein klingender Name die Seriosität eines neuen Journals unterstreichen. Eng spezialisierte Titel, die Qualität garantieren können, haben eine bedeutende Rolle darin zu spielen, Forschungserkenntnisse auf die Schreibtische jener Personen zu bringen, für die sie interessant sind. Dies ist ein wichtiger Vorgang, sowohl für Leser wie auch für Autoren und ist die eigentliche Grundidee der Branche. Dass Gesundheitsorganisationen diese Rolle vermehrt wahrnehmen, ist für alle Beteiligten eine potentiell positive Entwicklung.